Bad Influence – Goldene Heimat

Eine Jazzarette der Vitamins Of Society
Inoffizielles Preview für mögliche Partner_innen im Salzkammergut

Wir produzieren eine neue, zeitgenössische Operette für das Salzkammergut, schaffen ein unterhaltsames Highlight für viele Besucherinnen und Besucher der Kulturhauptstadt 2024 und lernen dabei die Region, die Menschen und die lokalen Künstlerinnen und Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, kennen.

Inhalt
Österreich in den 50er Jahren. Ein paar Theaterleute, die sich mit Kollaboration für die NS-Propagandaabteilung unbeschadet durch den Krieg geschummelt haben, schaffen es im Salzkammergut eine relativ lukrative Sommerbühne zu betreiben und behelfen sich schamlos mit der Umdichtung und Eindeutschung von us-amerikanischen Bühnenschlagern. Als beim Casting für die weibliche Hauptrolle eine Tochter jüdischer Emigranten vorspricht, geraten die männlichen Ensemblemitglieder zusehends aus dem Häuschen und obwohl die durch Arisierung an den Kursalon gekommenen Besitzer der Liegenschaft die Restitution befürchten, ist die Stimme und das Auftreten der jungen Frau so erfolgversprechend, dass sie ihrem Engagement für einen Sommer lang zustimmen. Zeitgleich sind Agentinnen und Agenten aller wesentlichen Geheimdienste der Welt zu einer informellen Zusammenkunft mit arrangierter Hirschjagd auf den ehemals habsburgischen Ländereien eingetroffen. Während sie sich gegenseitig zu enttarnen versuchen wissen einige von ihnen aber auch schon um die wahre Mission der talentierten Sängerin: Sie ist selbst Topagentin des israelischen Geheimdienstes Mossad und auf der Spur nach dem Goldschatz der Nazis, der irgendwo in der Region versteckt sein muss und zu dem auch die geheimen Rezepturen der Aufputschmittel gehören, mit denen vom einfachen Rekruten bis zum ‚Führer‘ selbst alle vollgepumpt für den Angriffskrieg waren.
Diese Aufputschmittel schlagen die Brücke zu einer Rahmenhandlung in der Gegenwart 2024, eine Jugendliche aus dem Salzkammergut, die sich nach der Ausweglosigkeit und Fadesse einer Pandemie von einem Praktikum bei einer sommerlichen Operettenproduktion im Salzkammergut neue berufliche und romantische Perspektiven erhofft, kommt durch Zufall an ihrem ersten Arbeitstag in den Besitz von einer beträchtlichen Menge an chemischen Drogen, die einer der Nebendarsteller der Operette als einträglichen Nebenverdienst unter der Jugend des Salzkammerguts verkaufen wollte, bevor er bei einem Probenunfall von der Leiter fällt und im Krankenhaus landet.

Der erste Impuls von DANIELA WEISS, die Drogen zur Polizei zu bringen, wird schnell überdeckt von der Chance, durch den begehrten Stoff Zugang zu dem inneren Kreis um den Hauptdarsteller RENE zu bekommen. Der Entschluss, sich die Drogen zu sichern, setzt eine rasante Kettenreaktion in Gang, in der DANIELA sich mit der partyhungrigen Landjugend, der frustrierten und dekadenten Künstler*innenszene sowie der Kriminalpolizei auseinander setzen muss, die im Dienste lokaler Wirtschaft und Politik das Image der Region zu schützen versucht.

Was wie eine oberflächliche Klamotte klingt, stellt uns vor der Herausforderung, die Gleichzeitigkeit von Tragik und Komik in jeder einzelnen Figur zu suchen. Die Regeln der boulevardesken Komödie in zeitgemäßem Tempo zu befolgen, ohne die aktuellen Krisen der Menschen und der Gesellschaft zu verraten, von denen wir erzählen.
Diesen Anspruch verfolgen wir, in dem wir Gesprächs- und Recherchephasen in die Erstellung des Stücks einfließen lassen, uns von Menschen und Atmosphäre inspirieren lassen und nach dem echten Schmerz hinter den Scherzen, aber auch die tiefe Ironie hinter den Krisen aufspüren.

Im kollektiven Bewusstsein steht Bad Ischl immer noch für die schöne und heile Welt, für monumentale Bauten im alten Stil, Landschaft und Mehlspeisen die an die Kaiserzeit erinnern, Touristen aus aller Welt, die eintauchen wollen in eine versunkene Welt eintauchen wollen, für Operette. Die Beschäftigung mit dieser alt ehrwürdigen Kunstform zeigt, dass der darin angelegte Eskapismus immer gleichzeitig tabuisierte, brisante Themen mit transportierte, die unter der schönen Oberfläche brodelten. Die Beschäftigung mit Sexualität, Drogen und Geschlechterkampf wird in den oft frivolen, urbanen Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstaunlich deutlich, bevor die mörderische Ideologie der Nazis mit den Jüd*innen auch jede emanzipatorische Zweideutigkeit aus der Kultur zu eliminieren suchten.

Soweit zu den ersten inhaltlichen Entwürfen unseres Werkes,
nun zu unserer Arbeitsweise:

Als Graz Kulturhauptstadt 2003 war, haben wir, die Vitamins Of Society, gerade noch studiert bzw. unsere Studien beendet und als little drama boyz (Johannes Schrettle und Wolfi Lampl) und rollin‘ machine (Roli Wesps Klaviertrio) auf der Grazer Herrengasse unser erstes Stück „Giftcontainer“ zu improvisierter Jazzmusik vom Blatt gespielt. 21 Jahre und viele erfolgreiche Theaterproduktionen später wollen wir zur Kulturhauptstadt 2024 eine elaborierte Jazzerette beisteuern. Eine Hommage an die goldenen Musikheimatfilme der 50er Jahre in denen nach der Katastrophe des zweiten Weltkriegs das Selbstbewusstsein der jungen Nation neu oder überhaupt erst gebildet werden sollte. Der Rock‘n‘Roll als damals jüngster Abkömmling des Jazz und Bote der neuen Freiheit darf dabei ebenso wenig fehlen, wie die humorvolle Verarbeitung österreichischer Stereotypen und die Demaskierung von Monarchiekitsch und oberflächlicher Abgrenzung vom Nationalsozialismus. Wir stehen für zeitgenössische, zeitkritische Inhalte in künstlerisch versierter, unterhaltsamer Verpackung. Im Spannungsfeld von Unterhaltung und Verstörung locken wir mit unseren Produktionen seit Jahren Menschen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten in unsere Vorstellungen, die sowohl im ruralen als auch im urbanen Umfeld funktionieren.

Wir, die Vitamins Of Society, schaffen seit unserem Bestehen ausschließlich Uraufführungen. In einem ca. 6-monatigen Prozess entsteht im Austausch zwischen dem Autor, der Regie und dem sich für jede Produktion neu konstituierenden Ensemble aus Profis und Laien eine Geschichte und die dazugehörenden Figuren. Nachdem erste Textversionen entstehen, die miteinander überprüft, geschärft und verfeinert werden, kommen wir zum Probenprozess am Ort der Aufführungen zusammen, wo wir einige Wochen, im Austausch mit dem Land und seiner Bevölkerung, zusammen leben und arbeiten. In dieser Phase der Kasernierung mit dem gesamten Ensemble, können wir uns Tag und Nacht intensiv mit dem Stoff beschäftigen, uns mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen und gemeinsame Lösungen für die theatralischen Aufgaben, die wir uns gestellt haben, suchen und finden. Parallel dazu entsteht die Musik, die unter Einfluss der laufenden Proben komponiert, und entsprechend dem Thema und Genre umgesetzt wird. Die Originalmusik ist eine tragende Säule unserer Inszenierungen, sie transzendiert das Geschehen, sie ist eine lustvolle Aufgabe für die zum Singen angehaltenen Schauspielerinnen und Schauspieler, sie erzeugt je nach situativem Bedarf epische Distanz ebenso wie kathartische Einfühlung und sie verlockt zusätzlich Menschen, die zeitgenössischer Dramatik normalerweise eher misstrauisch gegenüberstehen, sich doch einmal in eine unserer Vorstellung zu wagen. Die Kostüme passen sich dem jeweiligen Genre stilistisch an und werden zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von Hand genäht. Da wir unsere Produktionen traditionell im Sommer und Open Air veranstalten ist unser Bühnenbild, abgesehen von der idyllischen Landschaft und nicht planbaren, teilweise dramatischen Wetterverhältnissen, äußerlich sehr reduziert. Wir folgen der Auffassung, dass die Räume, die wir in unserer Vorstellung entstehen lassen, sich auf die Zuschauerinnen und Zuschauer übertragen. Wir verwandeln örtliche Gegebenheiten durch bloße Behauptung für unsere erzählerischen Zwecke, so wie wir sie glauben zu benötigen und setzen auch Requisiten nachdem Motto:„So wenige wie möglich und so viele wie nötig“ sehr sparsam ein. Wir haben erste Fühler ins Salzkammergut bezüglich möglicher Spielstätten ausgestreckt, haben uns aber noch nicht festgelegt und sind gerne bereit zusammen mit der Organisation der Kulturhauptstadt Europa 2024 eine neue Spielstätte zu erschließen, oder bereits bestehende Aufführungsorte zu bespielen und Synergieeffekte zu nutzen. Wenn es die Witterungsverhältnisse nicht zulassen, können wir unsere Stücke jederzeit auch in klassischen Theaterräumen unter Dach transferieren.

Wir produzieren für die Kulturhauptstadt Europa 2024 einen 2- 3 stündigen originalen Musiktheaterabend, der, wie oben angeführt, die verschiedensten Ausdrucksmittel, die dem Theater zur Verfügung stehen, miteinbezieht.
Wenn wir als mögliche Theaterproduzenten in die engere Auswahl für eine Kulturhauptstadtproduktion kommen, werden wir uns in die Region begeben, Spielstätten auskundschaften und aus dem Reservoir lokaler Kulturinitiativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für unser Schaffen auf und hinter der Bühne rekrutieren. Im Herbst/Winter 2023 wird eine erste Stückfassung am Papier und im virtuellen Raum entstehen und im Frühling/Sommer 2024 werden wir zu Proben und Aufführungen im Salzkammergut zusammen kommen.

Eine Übersicht über unsere bisherigen 11 Uraufführungen mit Originalmusik finden Sie hier:

Hier die filmische Dokument unserer 2021er Produktion:“Die Pension ist sicher“
1. Preis beim #Wordsbeyond Festival des Hangar Teatri Trieste

„Die Pension ist sicher“ Die Geister der 1920er spuken auch heute noch. VoS 2021

Das Team

Wir arbeiten im Kollektiv und haben Kernkompetenzen für einzelne Bereiche festgelegt:
J.Schrettle, Text
Johannes Schrettle schreibt seit Teenagertagen erfolgreich dramatische Texte. Angefangen vom Grazer Theater im Bahnhof, über das Stadttheater Osnabrück bis hin zum Wiener Burgtheater wurden Dramen des Henschel-Autors aufgeführt. Mit Johann Wolfgang Lampl gründete er 2003 die little drama boyz um auch selbst an der Umsetzung seiner Werke als Schauspieler und Regisseur mitzuwirken, das mündete in die jahrelange Arbeit mit seiner zweiten liga für kunst und kultur und gegenwärtig in das Kollektiv workinglifebalance.ldt.
Seit 2011 schafft er mit den Vitamins Of Society. Mit einer gerade abschließenden staatlich Ausbildung zum Psychotherapheuten ist er den Wirren des menschlichen Geistes nun noch weiter auf der Spur.

Roli Wesp, Musik
Der studierte Jazzpianist Roli Wesp hat neben seiner Tätigkeit in unterschiedlichsten Ensembles (unter anderen mit Mark Murphy, Karlheinz Miklin, Alex Deutsch, Peter Herbert, Lungau Bigband feat. Don Menza, Randy Becker, Vesna Petkovic, Beefolk) auch zahlreiche Engagements als Theatermusiker (z.B.: Piaf mit Maria Bill am Wiener Volkstheater) und Theaterkomponist absolviert und zeichnet seit 2012 für die originalen Partituren der Vitamins Of Society verantwortlich die er mit wechselnden Bands auch einstudiert und live umsetzt. Er passt die Instrumentierung dem jeweiligen Genre und der Zeit in der die Stücke spielen an und hat sich für die Vitamins eigens Drehleiher, Schoßharfe und Theremin angelernt. Mit dem Bandcafe betreibt er in Graz auch ein niederschwelliges Musikprojekt für marginalisierte Menschen und forciert Inklusion durch Musik.

Johann Wolfgang Lampl, Regie

Der Gründer der Vitamins Of Society ist ein Theatermacher auf allen Ebenen der dramatischen Produktion. Der Absolvent der Grazer KUG im Fach Schauspiel (Max-Reinhardpreisträger 2002) hat sich schon ab 2003 mit den little drama boyz mit J.Schrettle im Zuge der Kulturhauptstadt Graz ersten eigenständigen Umsetzungen theatralischer Visionen als Stückentwickler, Schauspieler und Regisseur gewidmet. Er spielte lange Jahre große Rollen bei den ältesten Vertreter_innen der Wiener OFF-Szene (Johanna Tomek, Peter Gruber, Dieter Haspel) und konnte auch einige Engagements in Film, Funk und TV landen. Seine Erfindung DRAMA SLAM, ein Kurdramenwettbewerbsformat, konnte er von Wien ausgehend in ganz Europa (Sankt Petersburg, Berlin, Brüssel, Sarajevo, Triest) erfolgreich vor ausverkauften Häusern präsentieren und seit 2011 organisiert und inszeniert er den Vitamins Of Society Theatersommer in der ruralen Südweststeiermark (auf den Bauernhöfen seiner Ahnen) und seit 2020 auch auf der Murinsel in Graz. Als Jimi Lend hat er sich auf internationalen Lyrikfestivals in ganz Europa einen Namen gemacht und den Gedichtband Mundlandungen vorgelegt.


Das Ensemble 2024 soll sich aus Isabella Knöll (OÖ), Harry Lampl (STMK) und einem noch zu castenden Ensemble aus international tätigen Schauspieler_innen und lokalen Talenten bzw. Legenden zusammen setzen. Ebenso soll sich die Band aus international erfahrene Musiker_innen und lokalen Musiker_innen und Talenten unter der Leitung des Salzburgers Roli Wesp formieren. Wir greifen dabei einerseits auf unser weit verzweigtes Netzwerk erfahrener Künstlerpersönlichkeiten zurück und planen zur Erweiterung des Ensembles und Vertrauensbildung in der Region die Zusammenarbeit mit regionalen Kulturinitiativen wie zum Beispiel Theatergruppen und Musikschulen.

Eine weitere Kostprobe unserer Finesse und unseres Esprit gibt es hier:

Wo die Kanonen Glühn – VoS 2012 im Waldtheater Wenzel

Die Kulturhauptstadteinreichung als PDF zum Download: